19 Apr 2004
Da ich gerade Zeit habe und sowieso schon lange nichts mehr hier gepostet, müssen jetzt alle Besucher, die unbedacht unten klicken, meinen Review zu einem Spiel völlig ohne Story oder Hauptpersonen lesen, das dennoch momentan meine gesamte Zeit neben der Uni fressen will. Es handelt sich dabei um Colin McRae Rally 4.
Nachdem ich Firma Codemasters letztes Jahr mein Geld verweigert hatte, da Colin McRae 3 in keiner Weise die Qualität der Vorgänger erreichte, überzeugte mich die Demo von Teil 4 doch so sehr, dass ich mir die Vollversion geleistet habe. Über Story (haha) brauche ich wohl kaum Worte zu verlieren. das Spielprinzip hat sich ebenfalls nicht geändert, es basiert immer noch auf dem kampf gegen Fahrzeug, Strecke, die Uhr, das Wetter, die Physik und den Schwierigkeitsgrad knapp unter der Frustrationsgrenze. Codemasters hat beim 4. Teil wie immer hauptsächlich die Physiksimulation weiter in Richtung realistisch verbessert, diesmal wirklich verbessert, und nicht verschlimmbessert wie in Teil 3, bei dem die Fahrzeuge schon sehr unrealistisch zufällig sensibel auf Steuerversuche reagierten. Sehr verbessert hat sich auch die deutsche Stimme des Beifahrers. In den bisherigen Teilen bekam man mit der Spracheinstellung “Deutsch” häufiger Probleme, da der Beifahrer einfach nicht schnell genug vorlesen konnte. Dies wurde nun geändert, der Beifahrer redet nun in einer Geschwindigkeit, das einem die Worte nur so um die Ohren prasseln. Außerdem scheint Codemasters bei der Beifahrerstimme, statt wie in den letzten Teilen auf einen Synthesizer zu vertrauen, der aus Worten Sätze baut, diesmal jeden Satz des Beifahrers komplett digitalisiert zu haben, was wahrscheinlich auch zum Teil die InstallationsgrÖße von 3,5 GB erklärt. Auch die Möglichkeiten zum Feintuning des Fahrzeugs wurden weiter erweitert, es ist schon eine Aufgabe für einen studierten Physiker, die richtige Wahl zwischen den verschiedenen Reifen, Fahrwerksabstimmungen und Bremskraftverteilungen zu wählen. Das Schadensmodell ist allererste Sahne, noch nie war Beulen ins Blech Fahren schöner. Splitter, Blechstücke und Plastikteile verteilen sich ordentlich in der Landschaft, Gummi zerfetzt und Räder rollen ihre eigenen Wege, wenn man, Need For Speed Underground oder ähnliche Ketzereien gewöhnt, das Anbremsen von Kurven als unwürdig abtut. Als Fahrzeuge stehen die üblichen Rallyeschleudern der letzten 20 Jahre zur Verfügung, mangels FIA-Lizenz leider zum Teil in Lackierungen von völlig unbekannten Kleinteams. Aus dem gleichen Grund sind auch außer Colin McRae keine real existierenden Fahrernamen als Gegner enthalten. Dafür gibt es zum ersten mal in einem Colin McRae Spiel eine eigene Meisterschaft für die berüchtigten Gruppe B Fahrzeuge, die sich durch Plastikkarosserie und geringes Gewicht (< 1000kg), wenig Bodenhaftung und fast schon pervese Motorleistungen jenseits der 400 PS auszeichnen. Diese Meisterschaft scheint auch die erste wirkliche Herausforderung für mich zu sein, da ich sowohl die 2WD als auch die 4WD Meisterschaften in den Schwierigkeitsgeraden Einfach und Fortgeschritten gewonnen habe, ohne dass jemals irgendeiner der KI-Gegner die Chance gehabt hätte, dagegen etwas zu unternehmen. Ein kurzer Test mit meinen Mitbewohnern, die in ernsthaften Rallye-Simulationen eher unerfahren sind, zeigt mir jedoch, dass die Schwierigkeitsabstufungen eigentlich gut ausgewogen sind, wenn man nicht wie ich jeden Teil der Serie (bis auf den grottigen dritten) schon ausgiebig gespielt hat. Für den Experten-Schwierigkeitsgrad hat sich Codemasters auch noch was besonderes ausgedacht, der Spieler wird nämlich auf die Inbord-Kamera beschränkt. Mal sehen, wie man sich da noch durch zwischen den Bäumen durch über Stock, Stein, Schlamm und Kies durchschlängeln kann.
Mein Fazit für CMR 4 ist auf jeden Fall, dass sich dieser Kauf gelohnt hat, und dank der Möglichkeit zum Online-Spiel auch noch lange weiterhin Spaß auf 4 simulierten Reifen verspricht.
10 Apr 2004
Gestern habe ich Final Fantasy X-2 durchgespielt und als ich kurz vor drei nach Hause kam, konnte ich nicht anders als dazu ein Review zu schreiben. Das Gerät ist etwas umfangreicher geworden, deswegen bittte den ganzen Post öffnen um es zu lesen (vorsicht lang).
Als die US-Version von Final Fantasy X herauskam besaß ich noch nicht eine einzige Konsole, abgesehen von meinem 10 Jahre alten Gameboy. Konsolen haben mich zu der Zeit noch nicht lange interessiert, dieses Interesse wurde ausgelöst von Final Fantasy VII, das ich zum ersten Mal zu Gesicht bekam als ich 16 war.
Final Fantasy VII kam damals zu meinem Glück nicht nur für die Playstation heraus, sondern auch für den PC. Ich habe mein halbes 16tes Lebensjahr mit Final Fantasy verbracht, jeden Tag nach der Schule hab ich bis zum Abendbrot (danach hieß es nach meiner Mutter für mich immer “Computer aus!”) gezockt, im ersten Durchlauf alle Charaktere auf 99 und beide Weapons platt gehabt. Wie für viele war für mich VII der erste Kontakt mit der Serie.
FF VIII hat für mich nicht existiert, tut es bis heute noch nicht, erst der 9te Teil hatmich zurückgeholt. In der 11ten Klasse gab es irgendwann einen Berufsorientierungstag, der im großen und ganzen ziemlicher Schwachsinn war. Nach vier Stunden haben wir uns freigenommen und sind zu dritt zu einem Freund nach Hause um FF IX, gerade frisch erschienen zu begutachten.
Von da an war ich gefesselt. Nachdem mein Freund das Spiel durchhatte, habe ich mir eine Playstation und das Spiel geliehen und das Spiel gespielt, wie 2 Jahre vorher Teil VII, nur mit dem Unterschied, dass ich diesmal im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß und meine Mutter ständig hereinkam um blöde Kommentare abzugeben.
Das einzig wahre Final Fantasy ist Teil VI. Unbestritten. Natürlich musste ich mich dessen selbst vergewissern, den Rest kann man sich denken (12. Klasse, wieder PC, nur dass mich niemand daran gehindert hat, mir auch die Nächte um die Ohren zu hauen).
Warum ich das erzähle? Kommt noch. Nach Teil VI und Stippvisiten in die Teile davor (FF VIII immer noch aussen vor) war ich FF Experte und glühender Fan. Ein Freund hatte sich FF-X aus Amerika importiert, ich war zufällig dabei als das Paket ankam. Nach den ersten Bildern war ich entsetzt. Was zur Hölle hatte Square mit ATB angestellt? Warum war der Hauptcharakter so scheisse und was sollten diese albernen Klamotten. Und die Story? Ein Sportler wird während des Turniers in eine riesige Wasserblase gezogen, die die Stadt zerstört und landet hinterher in einer völlig anderen Welt, die aber doch irgendwie mit der alten zu tun hat, nur weiss keiner wie? Und Sin ist sein Vater? WTF?
Das Charakterdesign von Final Fantasy war immer großartig, die Figuren, egal aus wievielen Polygonen oder Pixeln wirkten immer lebendig, aber bei Final Fantasy X gab es eine handvoll schwuler Psychos in Clownskostümen. Auron, Lulu und Khimari sind die einzigen, bei denen mir nicht schlecht wird, was aber noch lange nicht heisst, dass Ihre Charaktere interessant wären. Hier wird tief in die Klischeekiste gegriffen (bzw. in die Scheisse, im Falle von Tidus, Wacka (sorry, Wakka) und Rikku). Yuna setzt dem ganzen die Krone auf. Mein Gott, was für eine Pussy. Ihr ewiges Gejammer und Geflenne, vor allem aber ihre Lache (OMFG, die Szene als die Party Luca Richtung Mi’hen High Road verlässt… “I want my journey to be full of laughter” -Bitch).
Irgendwann hab’ ich dem Spiel doch eine Chance gegeben und Wow, es ist nicht so schlecht wie wenn man nur zuguckt. Das interessante ist das Kampfsystem, das Aufleveln, die Bosskämpfe. Nur muss man, um da ran zu kommen durch eine Menge Müll waten. Das Final Fantasy X die Serie unter bestimmten Aspekten (und auf Kosten anderer) weitergebracht hat, lässt sich ausführlich diskutieren und belegen, aber darum geht es hier nicht.
Das soll für die Einleitung nämlich erstmal reichen, hier kommt jetzt endlich der Bogen zu Final Fantasy X-2 (EX!!!). X-2 ist kein eigenständiges Spiel. Ich frage mich ob man es überhaupt Spiel nennen darf. Alle Indizien weisen darauf hin das X-2 nur zu einem Zweck entwickelt wurde: es zu verkaufen. Square (Square-Enix inzwischen) ist der Zuhälter, der Spieler der Freier und Final Fantasy wurde in die Prostitution gezwungen. Alle störenden männlichen Hauptcharaktere wurden entfernt, stattdessen haben wir es mit 3 verzogenen leichtbekleideten Gören (Naughty Bitches) zu tun.
Mein Gott. Es ist so offensichtlich.Square konnte einfach nicht der Versuchung widerstehen, seine Jünger nach Strich und Faden zu melken. Aus vorhandenem Material wurde in kürzester Zeit ein Spiel zusammengekloppt, dass einzig und allein auf Verkaufszahlen abzielt. Aber was GENAU macht X-2 zu einem UN-spiel?
Das erste RPG ohne Story! Geworben und getrickst wird damit, dass X-2 die Fortsetzung von X ist. Genau das ist es aber eben NICHT. Am Anfang wird einem noch vorgemacht, dass Yuna und Ihre Kolleginnen auf der Suche nach Tidus sind. Schnell wird klar das es nicht um Tidus geht, sondern um jemanden (Shuyin), der ZUFÄLLIG auch vor 1000 Jahren in Zanarkand gelebt hat und ZUFÄLLIG GENAUSO AUSSIEHT wie Tidus, eine Geliebte, die ZUFÄLLIG genauso aussah wie Yuna, der jetzt Spira vernichten will. Und die 3 Mädels, weil sie ja nichts besseres zu tun haben,verhindern das halt.
Nichts zu tun gibt es die ganze Zeit. Jedenfalls nichts was irgendwie relevant wäre. Die ohnehin schon laue, simple und arg kurze Story wird nicht durch die Missionen unterstützt, sondern zwischen den Kapiteln in kurzen Sequenzen fortgetrieben. Die Missionen sind größtenteils Blähwerk um über die fehlende Substanz hinwegzutäuschen. Ganz extrem ist das in Kapitel 4 zu beobachten, während dem man sich die ganze Zeit mit nichts anderem beschäftigt, als durch Sphärofone den Bewohner Shinras bei ihren alltälichen stinklangweiligen Tagesgeschäften zu beobachten. Getoppt wird das nur noch durch die “Äffchenjagd”. 13 Paare von Affen sitzen in Zanarkand, und man muss immer die beiden Finden die zusammengehören. Das heisst man rennt 13 mal durch das ganze Level und hält alle Affen aneinander bis es klickt. Das dauert über eine halbe Stunde, macht KEINEN Spaß,hat nichts mit der Story zu tun, ist aber nötig um im Spiel weiterzukommen. In Kapitel 5 gilt es einen Kerl am Illumium zu finden. Sprich: renne 10 mal das Level auf und ab, ohne ihn dabei zu suchen, das 10 mal auf und ab rennen triggert lediglich die Finde-Sequenz. Ein Großteil der Missionen beschäftigt sich mit der Veranstaltung irgendwelcher beschissenen Konzerte. Yuna zappel zwar jetzt in Ihren Hotpants rum ein ein sechsjähriges Mädchen, ist aber tief innen immernoch die gleiche Heulsuse, die wir in FF-X so gehasst haben: “Lets make a concert to bring the people of Spira together”. Und das gleich 2 mal. “Yay, brilliant Idea, Yunie”…
Eine Handvoll Missionen bleibt dann (relativ) klassischer RPG Kram: Oh eine Höhle hat sich auf der Donnersteppe geöffnet und Monster kommen heraus. Reingehen, Monster plätten, Cid retten. Aus allen Tempeln strömen Monster. Reingehen, Monster plätten, Tempel retten. Abgesehen von der Eintönigkeit macht diesen Kampfmissionen vor allem zu schaffen, dass Square wieder mal am Kampfsystem rumgefummelt hat, nur ist diesmal etwas schiefgegangen. Der Grund warum ich eingangs so lange über FF-X geschrieben habe: Nach FF-X war ich begeistert von dem neuen Kampfsystem. Durch das rundenbasierte System konnte man sehr taktisch vorgehen, trotzdem kam während des Kampfes nie Stress auf. Das Ability-System war ziemlich gut, auch die Sache mit dem Sphärobrett konnte überzeugen.
Die Rückkehr zu ATB in FFX-2 ist ja an sich erstmal nichts schlechtes, die Kämpfe in FF VI, VII und IX (und in allen anderen) waren auch in Echtzeit und trotzdem super. Allerdings hat Square irgendetwas voll verrafft. Es war immer möglich, auch in Echtzeit zu taktieren, durch Zurückhalten einzelner Charaktere eine optimale Zugfolge zu bestimmen, bestimmt Sprüche an bestimmten Stellen einzusetzen usw. Alles für die Katz mit X-2. X-2 ist sowas wie ATB auf Koks. Einfach nur irre schnell. Die Gegner sind nur sehr sehr selten eine Herausforderung oder gar eine Bedrohung, deswegen laufen die Kämpfe in der Regel darauf hinaus, X gedrückt zu halten bis alles tot sind. Yay. Das an FF-V angelehnte System der Dress Spheres, verschiedener Kostüme mit unterschiedlichen erlernbaren Abilities und Eigenschaften ist nett gedacht, aber leider völlig überflüssig. Die Hälfte der Spheres habe ich nie benutzt, allein weil nicht die geringste Notwendigkeit bestand. Man kommt mit einem Weissmagier und 2 Kriegern/Dunkelrittern/Zauberschützen völlig aus.
Um die Kostüme auszurüsten werden sie auf sog. Kostümpaletten gesetzt, die ungefähr so aussehen wie Mini-Spärobretter. Die Paletten selbst haben auch spezielle Effekte, wie etwa die ständige Verfügbarkeit aller erlerntern Schwarzmagie-Abilities. Beim Beschreiten bestimmter Pfade setzt man auserdem zusätzliche Effekte oder Abilities frei. Es gibt von den Paletten um die 50, ich hatte vielleicht 25, gebraucht habe ich 3-4. Völlig verzichten konnte ich auch auf den Einsatz irgendwelcher Items (abgesehen von Potions, Phönixfedern und Antidots). Trotzdem gab es nur einen einizigen Kampf im Spiel den ich verloren habe.
Wenn ich für dieses Spiel kein Geld ausgegeben hätte, wäre es nach Kapitel 3 in der Ecke gelandet. Square hat es wirklich geschafft, seine Top-Marke völlig zu korrumpieren. Diese Spiel ist eine billige Schlampe, die nichts richtig machen kann und den ganzen Tag nur zugedröhnt in der Ecke liegt. Das Aufzählen weiterer Details möchte ich mir sparen, es würde die Sache nur verschlimmern. Wenn ich einen positiven Aspekt des Spiels hervorheben sollte, wäre das einzige was mir einfiele die Gesichtsanimationen (in technischer Hinsicht!!). Sonst nichts.
Final Fantasy X-2 ist ein Symptom eines immer häufiger zu beobachtenden Phänomens. Alte, erfolgreiche Reihen gehen mit der 2D-Ära zugrunde. Wie die meisten Franchises hat Final Fantasy mit VII-IX noch den Anfang des 3d-Zeitalters miterlebt, das Design dieser Spiele orientiert sich jedoch noch in der Vergangenheit. Als ich gesagt habe das FF-X (als erstes “3d” Final Fantasy) kein schlechtes Spiel ist, habe ich das auch so gemeint: Als Spiel nicht schlecht, als Teil der Final Fantasy Reihe jedoch fürchterlich. X-2 ist nichtmal als Spiel gut. Betrachtet man dazu noch Final Fantasy Crystal Chronicles wird der Sell-Out offenbar: Hier wird versucht aus einer sterbenden Reihe das letzte herauszuquetschen. Ich glaube nicht das die Fusion mit Enix Squares Spiele weiterbringen wird, der Trend ist deutlich: Handylogos, Handyspiele und der Gameboy für Square, der Rest geht an Enix.
“Aber halt, ” höre ich, “was ist mit Tactics Advance und FF XI?” In der Tat zwei gute Spiele, aber leider nicht direkt Final Fantasy. Ich muss zugeben von FF XI keine Ahnung zu haben, aber ich habe bisher noch keinen Screenshot zu Gesicht bekommen, auf dem ein Moogle, ein Drache oder IRGENDWELCHE FF-Elemente zu sehen waren. Das einzige scheinen mir die Chocobos zu sein (die armen haben auch schon schlimme Minispiele durchgemacht, “Chocobo Dice” für GBA z.B.). Tactics Advance ist der Nachfolger zu FF:T, einem Spinoff der Tactics-Reihe dem man damals das FF-Schild aufgedrückt hat um den Umsatz zu steigern. Also auch nicht gerade zur Reihe zu zählen. Früher habe ich anders gedacht, aber inzwischen scheint mir das 10 Teile für eine Videospielreihe genügen sollten. Und zwar nicht wegen fehlender Innovation, im Gegenteil. Final Fantasy war nie Innovativ. Final Fantasy hat stets die gleiche Formel genommen und Sie über Jahre reifen lassen und verbessert. Wenn Square sich auf einmal in der Idee verbeisst, Final Fantasy mit Innovationen zu verändern, ist das Ergebnis nicht mehr Final Fantasy.
X-2 ist hierfür das lebende Beispiel.
27 Mar 2004
(Zusammen mit Theodor W. Adorno in “Dialektik der Aufklärung – Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug”)
“Der Bürger, dessen Leben sich in Geschäft und Privatleben, dessen Privatleben sich in Repräsentation und Intimität, dessen Intimität sich in die mürrische Gemeinschaft der Ehe und den bitteren Trost spaltet, ganz allein zu sein, mit sich und allen zerfallen, ist virtuell schon der Nazi, der zugleich begeistert ist und schimpft, oder der heutige Großstädter, der sich Freundschaft noch noch als »social contact«, als gesellschaftliche Berührung innerlich Unberührter vorstellen kann.”, S.164
sowie
“Die Heroisierung der Durchschnittlichen gehört zum Kultus des Billigen.”, S165
Copyright des Buches ist 1944, Neupublikation war 1969, Aktualität ist gegenwärtig.
13 Mar 2004
…es rappelt in der Kiste. Ich glaub ich schreib mal nen Headline Generator für kackreiz. Für heute fällt mir nämlich wieder nix ein. Zu berichten gibts nur ne Menge thematisch zusammenhanglosen Schrott. Fangen wir an mit der cineastischen Woche. Ich war letze Woche nicht nur ein-, nein gleich ZWEImal im Filmforum. Der erste Film war die Geschichte vom weinenden Kamel. Ein wunderschöner Film, den ich jedem nur nahelegen kann. Sehr ruhig, mit klaren Bildern, kaum Ton ausser dem Tosen des Wüstenwindes und dem Blöken der Kamele, kaum Sprache, und wenn dann in mongolesisch (was immer die da sprechen). Der zweite Film war L’Auberge espagnole, den ich trotz, oder gerade aufgrund Empfehlungen von verschiedenen Seiten nicht so toll fand. Inzwischen weiss ich auch warum: die Story. Ein junger Mann geht für ein Jahr weg von Zuhause und kommt danach wieder. Beide male Tränen in den Augen ob der Trennung von Freundin auf dem Weg HIN bzw. den WG-Freunden auf dem Weg ZURüCK. Ich mein, dass kennt doch jeder, oder? Ich weiss nicht ob man über sowas nen Film drehen muss. Die letzte Szene in der Xavier “endlich” seinen Job hat, dann beim betreten der spießigen Bürowelt durchdreht und flüchtet, Klischee, ick hör dir trapsen… Im großen und ganzen kein schlechter Film und seine 4Eur durchaus wert, aber nicht gerade überdurchschnittlich.
Dann die Videospielwoche. Crystal Chronicles ist da und irgendwie enttäuschend. Ich war ja auf einiges vorbereitet und habe KEIN Final Fantasy erwartet, aber das Crystal Chronicles auch noch eine mÄßige Steuerung, langweilige (wenn auch atemberaubend schöne) Dungeons und ein extrem zähes Feeling hat war dann erstmal ein Schock. Inzwischen hab ich dem Spiel eine Chance gegeben und diese Mängel erwiesen sich dann doch als nicht so gravierend. Bleibt allerdings immernoch die Tatsache das man das Spiel nur vernünftig spielen kann wenn man 3 Leute zur gleichen Zeit mit 3 GBAs in einen Raum koordiniert kriegt. Freitag is schonmal gescheitert, hoffentlich klappt’s am Montag. Die GBAs wären nicht wirklich nötig gewesen, die Funktion die sie erfüllen, nämlich dem Einzelnen ein MenÜ zu präsentieren, während die Gruppe ungestört weiterspielt, wäre mit gutem willen realisierbar gewesen ohne die Spieler zum Kauf von 130Eur Controllern zu zwingen. Davon ganz abgesehen, gibt es aufgrund des simplen Spielprinzips nicht gerade viel zu tun in den Menüs…
Damit sich der Gameboy dennoch bezahlt macht, habe ich mir Final Fantasy Tactics Advance bei ebay geordert (für 24,50 statt 35Eur). Das Spiel ist quasi der krasse Gegensatz zu CC. Interessante Story, gute Steuerung und ein unglaublich flottes Gameplay. Kein scrollender Text mehr, wenn einen die Handlung nicht interessiert, kann man problemlos alles wegdrücken (Props to Paper Mario!). Hoffentlich hab ich noch Gelegenheit das alles zu ergründen. Im Moment les’ ich eigentlich lieber (aktuell Anthony Bourdain – Geständnisse eines Küchenchefs) und hör Musik (aktuell Alice in Chains, Trail Of Dead, Melissa auf der Maur, Godspeed You Black Emperor!). Bei Bourdain musste ich übrigens feststellen, dass meine Mutter das auch hat, natürlich NACHDEM ich es gekauft hab’. Ach ja, der Titel und die Rezension hören sich vielleicht langweilig an aber es geht in dem (wirklich interessanten) Buch auch um Sex(!) und Drogen(!!). Quo vadis, Popliteratur?