Rückblick: kackreiz.net Games of the Year (Teil 2)
18 Dec 2005Lest über Super Mario Bros. 3, Shadow of the Colossus, Aria of Sorrow und Ninja Cop im zweiten Teil des Jahresrückblicks:
Super Mario Bros. 3
Manchmal gibt es diese Spiele, die man halbfertig vergisst, weil einem etwas dazwischenkommt, dann irgendwann zufällig wiederentdeckt und endlich durchspielt. An Super Mario Bros. 3 knabbere ich schon seit über einem Jahr. Das liegt zwar vor allem daran dass es für mich eben eines dieser Spiele ist, ich das Modul über ein halbes Jahr lang nicht eingelegt habe, der Grund hierfür wiederum liegt aber in Super Mario Bros selbst. Ich bin mit dem Spiel einfach nicht warmgeworden. Ihr beschwert euch über Ninja Gaiden, macht euch mal an SMB3. Miyamoto muss stundenlang damit verbracht haben, Blöcke und Gegner in akribischer Kleinarbeit gemeinstmöglich zu platzieren. In der Regel habe ich für ein Level 2-4 Continues verbraucht, nicht selten auch mal mehr. Von allen hochgelobt, von einigen sogar als bestes Spiel aller Zeiten bezeichnet, nahm ich mir vor, Super Mario Bros 3 auf den Grund zu gehen, zu überprüfen ob an diesen Behauptungen was dran war. Leider war dem scheinbar nicht so. Hätte ich damals ein Review geschrieben hätte es aus einem einzigen Wort bestanden: Frust. Trotzdem habe ich mich durchgebissen, irgendwann nach Weihnachten aber aufgegeben. Meine übliche Gameboy-Zeit, die täglichen Pendelfahrten zur Uni gingen für die Lektüre irgendwelcher Lehrbücher drauf und zuhause hatte ich besseres zu tun. Im neuen Semster waren die Umstände anders und irgendwann fiel mir der Gameboy wieder in die Hände. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben sagte ich mir, auf keinen Fall wollte ich vor Mario kapitulieren, hier ging es um meine Ehre. Nun ja Anfang Novbember hatte ich es dann tatsächlich geschafft. Und ausgerechet an der Stelle, 3 Level vor Bowsers Schloss hat es plötzlich klick gemacht. Auf einmal hatte ich den Zugang gefunden. Auf einmal offenbarte Mario sich mir. Zwar hatte ich mangels Erfahrung immernoch meine Problemchen mit den Levels, aber das war nicht mehr nur frustrierend sondern angenehm herausfordernd. Eine andere Herangehensweise an das Spiel hatte seinen Charakter völlig verändert. (Über dieses Thema könnte man einen eigenen Artikel schreiben, mal sehen…)
Das ist allerdings nicht der einzige Grund für Marios Platzierung in dieser Liste. Das Spiel hat etwas bemerkenswertes geschafft: Aus dem anfänglichen milden Lächeln meiner Kommilitonen wurde nach und nach Interesse, Faszination und schließlich Sucht. Aus “Ja dann gib halt mal her…” in den späten Freistunden wurde “Haste Mario dabei ???” morgens um 8. Mir ist das ganze eher peinlich: Timo hat nur einen Bruchteil der Zeit gebraucht, sogar Mandy, sonst mit Videospielen eigentlich nix am Hut, ist schon fast durch.
Shadow of the Colossus
Fumitu Uedas Shadow of the Colossus lässt sich nur sehr sehr schwer mit gewöhnlichen Spielen vergleichen. Vielleicht hätte ich es besser mit einem Sondertitel auszeichnen sollen, aber wie würde der heißen? Hmm, mir fällt nichts ein. Auf jeden Fall kämen “Atmosphäre” und “Ästhetik” drin vor, zwei Kriterien die das Prequel zum “Geheimtipp” Ico mit seinen ergreifenden Kämpfen wenn auch nicht zu einem der besten, so doch zu einem der wichtigsten Titel des Jahres machen.
Da ich Shadow of the Colossus erst neulich rezensiert habe, spare ich mir hier weitere Worte und verweise an das Review. Lediglich einen Aspekt, der dort zu kurz gekommen ist, möchte ich hier noch erwähnen: Der Soundtrack trägt einen Anteil zur Atmosphäre bei, der wirklich seinen eigenen Absatz verdient hätte. Klagende Streicher, druckvolle Bläser und donnernde Pauken begleiten die Auseinandersetzungen mit den Steingiganten durch dramatische Melodien, aber auch das Weglassen musikalischer Begeleitung während der endlosen Ritte durch die Steppe oder die leisen Töne beim Entdecken einer versunkenen Ruine unterstreichen die Dynamik des Spiels in einer so hervorragenden Art und Weise wie sie nur wenige Spiele hinbekommen.
Aria of Sorrow
Eines meiner Lieblingsspiele war und ist Konamis Symphony of the Night, die Vampire-Rock-Opera die Castlevania auf Playstation und Saturn neues Leben eingehaucht hat. Eine Fortsetzung, bzw. einfach noch mehr von dem ganzen, war, was ich mir von Aria of Sorrow erwartet hatte. Das Spiel hat mich nicht enttäuscht, zwar ist der Soundtrack bei weitem nicht so opulent, aber das Gameplay wurde 1:1 übernommen, an vielen Stellen noch verfeinert. Interessante Neuerung und zentrales Spielelement sind die Gegnerseelen. Jede kann aufgesammelt werden und verleiht Hauptdarsteller Soma neue Fähigkeiten. Zugegeben, der Großteil dieser Seelen ist ziemlich unnütz, aber wenn ein Spiel an meinen Jagd- und Sammeltrieb appelliert kann ich selten widerstehen. Selbstverständlich, dass ich am Ende alle Seelen ergattert hatte, die versteckten Extrawaffen mein Eigen nannte und mit Chaos, dem geheimen optionalen Superendgegner den Fußboden wischen konnte. Der zusätzliche, höhere Schwierigkeitsgrad könnte mich Aria of Sorrow glatt irgendwann noch ein zweites Mal durchspielen lassen, der erste Versuch war zwar sehr unterhaltsam aber auch ein bißchen kurz. Dieses Spiel gehört zu denen, die jeder Besitzer eines GBA in seiner Sammlung haben sollte. Leider ist es heutzutage völlig unmöglich, zu einem vernünftigen Preis an eine Originalversion zu kommen. Ich musste mich auch nur mit einer Hongkong-Kopie zufriedengeben, genauso wie bei…
Ninja Cop
Um einen käsigeren Namen als “Ninja Cop” zu finden muss man schon in der Videothek einen Blick in die 80er-Actionfilm-Sektion werfen. In Amerika unter dem — zugegeben nicht wesentlich besseren Titel — Ninja Five-O erschienen, ist dieses Spiel eines der absoluten Geheimtipps für den GBA. Nirgends beworben und mit einer absolut winzigen Auflage heimlich auf den Markt geworfen lässt sich Ninja Cop heute nur noch als Imitat auftreiben. Eine Schande, denn mit Ninja Cop ist Konami ein kleines Goldstück gelungen. Das Gameplay ähnelt Shinobi, die Missionen sind stets gleich aufgebaut: In drei verschiedenen Szenarien gilt es auf jeder Karte 5 Geiseln zu befreien und den Ausgang zu finden. Das Repertoire des Spielers ist recht beschränkt, neben Ninjasternen, Ninpo-Feuerbällen und einem Schwert ist man bloß noch mit einem Enterhaken ausgestattet. In genau diesen Enterhaken hat Konami 90% des Spielspaßes reingesteckt, mit ein bißchen Übung hangelt man sich behende durch die Levels schlägt im vorbeifliegen Köpfe ab. Das Gameplay ist klar auf Punktesammeln ausgelegt, insgesamt ist das Spiel ziemlich kurz und die Gegner nicht besonders schwierig, bleibt also als Herausforderung, die Stages möglichst schnell und geschickt abzuschließen.
Teil 3 folgt in ein paar Tagen. Mich würden ausserdem die diesjährigen Favoriten meiner hochverehrten Leser interessieren. Einfach nen kurzen Comment oder Trackback unten reinsetzen: