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Ninja Gaiden

Ich hab’ ja Streit mit den Fans von God of War und Prince of Persia angekündigt. Hier ist er: Teil 6 der Lieblingsspiel-Reihe.

Ninja Gaiden war ausschlaggebend dafür, dass ich mir, bis 2000 noch völlig konsolenlos, letztes Jahr als dritte Nextgen-Konsole nach Gamecube und PS2 eine Xbox gekauft habe. Die Auswahl an Qualitätstiteln auf der Xbox lässt sich an ein bis zwei Händen abzählen und wann immer jemand das tut, ist Ninja Gaiden in der Top-5 zu finden. Zu recht: Mit Ninja Gaiden hat Tomonobu Itagaki eine Referenz hingelegt, an der gemessen, Mitstreiter wie God of War oder Devil May Cry mit Schamesröte im Boden versinken. Das Spiel ist perfekt und wer Itagaki kennt, hat weiss warum: Der Mann ist durchgedreht und kompromisslos. Und so ist er hingegangen und hat diese Attribute in ein Spiel gegossen, dass genauso extrovertiert und selbstbewusst daherkommt wie er selbst. Damit Ninja Gaiden und Itagaki mit ihrer Arroganz auch ungeschoren davonkommen, wurde das Spiel ausserdem bis zur Perfektion poliert, aus jedem Aspekt wurde das bestmögliche herausgeholt. Und niemand der bei Verstand ist, pinkelt Ninja Gaiden ans Bein.

Itagaki hat aus der ehemaligen Pixelwurst Ryu Hayabusa den ultimativen Badass gemacht, einen perfekten Kämpfer der mit unglaublicher Geschwindigkeit, Präzision und Härte alles in den Schatten stellt, was man sich bisher unter Ninjas vorgestellt hat. Seine Fähigkeiten sind absolut over-the-top, allein sein Anblick flößt Respekt ein und wenn ihm dein Gesicht nicht gefällt, schlägt er dir beim Backflip den Kopf ab. Und du kriegst davon nichtmal was mit.

Andere Spiele gäben sich damit zufrieden: Der Hauptcharakter ist cool, also werden ein paar “Gegner” in den Levels platziert, an denen man seine Moves ausprobieren kann bis einen die Langeweile packt. In Ninja Gaiden ist jeder Kampf eine Herausforderung die Können verlangt wie in einem Prügelspiel (und damit sind nicht Button-Masher wie Soul Calibur gemeint). Es reicht nicht, möglichst brutal zuzuschlagen oder nur die richtige Knopfsequenz zu wissen, hier kommt es auf Timing an, auf die richtigen Augenblicke, auf den Wechsel zwischen Block und Angriff. Viele, die zum ersten Mal Hand an Ninja Gaiden legen, müssen sich erst an den Gedanken gewöhnen, mal nicht direkt loszustürmen, sondern abzuwarten, bis sich der Feind die Blöße gibt.

Zu Unrecht wird Ninja Gaiden deshalb of als zu schwer verschrien. Das ist völliger Bullshit. Auch wenn ich manchmal versuche einen anderen Eindruck zu erwecken, bin ich kein Daddelgott und meine späte Einführung in diese Form der Unterhaltung hat zur Folge das mir viele Skills fehlen, die andere seit der Grundschule trainieren. Trotzdem konnte ich Ninja Gaiden ohne Probleme auf “Normal” durchspielen. Man muss sich allerdings an den Gedanken gewöhnen, dass wie in guten alten Zeiten Sterben hier wieder zum Spiel gehört. Das geniale an Ninja Gaiden ist, dass, im Gegensatz zu 90% aller Spiele, der Bildschirmtod hier niemals vollkommen sinnlos ist. Ninja Gaiden gehört zu den fairsten Spielen die ich je gespielt habe, mein Ableben ist hier immer auf mein eigenes Versagen zurückzuführen und immer kann ich genau sagen warum ich an dieser Stelle sterben musste. Dies führt dazu, dass man aus den Fehlern die man macht, tatsächlich lernen kann und genau dass ist es was das Spiel so unglaublich gut macht: Man spürt wie man im Verlauf immer besser wird und besser nicht nur durch Sammeln von Zeug, Erhöhen von Stats und Kaufen von Waffen, sondern durch Skill. Man lernt zu blocken, man lernt auszuweichen, man lernt, welche Combo in welcher Situation am angebrachtesten ist und man speichert nicht einfach irgendwelche Standardtaktiken ab, sondern beginnt, dass Spiel zu verstehen, seine Gegner zu beobachten und eins zu werden mit Ryu Hayabusa.

Ich möchte nochmal auf die Kampf-Engine zurückkommen. In dieser Richtung ist Itagaki als Entwickler der Dead or Alive Serie ja bereits bewandert. Über die Qualität von Dead or Alive im Vergleich mit anderen Prüglern will ich hier garnicht diskutieren, darum geht’s auch nicht. Dass extrem viel Know-How in die Kämpfe von Ninja-Gaiden eingeflossen ist, spürt man daran, wie gut das Spiel ausbalanciert ist. Es gibt keine ultimative Waffe, es gibt keine unbesiegbaren Feinde, Hitpoints und Schadenswerte sind fein aufeinander abgestimmt, die Bewegungen und Aktionen im Kampf framegenau definiert. Wer behaupten will, dass sei bei God of War oder Prince of Persia genauso, der zeige mir ein Äquivalent zur _Ninja Gaiden_s Advanced Combat FAQ in der Details wie Step Canceling oder Encounter Comboing über insgesamt 340 kb erkläutert werden.

Herrje, wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich mir die Kampfsysteme von God of War oder Warrior Within ihrer ganzen Lächerlichkeit vorstellen. Warrior Within mit seinen absolut überflüssigen und nutzlosen Millionen von Moves, God of War mit seinen Finishing-Minigames. Beide bauen mit ihren jeweiligen Mitteln eine vordergründige und unnütze Komplexität auf, die leider kaum zu verbergen vermag, wie wenig dahinter steckt. Wenn ich zufällige Knöpfe hintereinander drücken will, spiele ich Vib Ribbon und nicht God of War, bei PoP such ich mir einfach einen der zig Moves raus und spiele Hit-And-Run bis der Gegner tot ist. Warum Ubisoft die zähen Kämpfe nicht einfach weggelassen und sich stattdessen auf die wesentlich gelungeneren Geschicklichkeits-Sequenzen konzentriert hat ist mir ein Rätsel.

Aber zurück zu Ninja Gaiden: Wo wir gerade beim Thema Combos waren können wir uns diese in Ninja Gaiden mal genauer ansehen. Das Spiel zwingt dem Spieler hier zum Glück kein Gedächtnistraining auf, sondern beschränkt sich auf wenige Grundmoves, die dann effektiv kombiniert werden können. Durch Waffenupgrades wächst die Move-Liste aber bei genauerem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass die neuen Fertigkeiten nicht beliebig sind, sondern bis auf wenige Ausnahmen aus Fortentwicklungen bereits erlernter Techniken bestehen. So verfügt das Dragon Sword zum Beispiel auf Level zwei über Fang of the Wolf (X, X, Y, Y), der auf Level drei zu Blade of the Dragon’s Tail wird (X, X, Y, Y, Y), auch bestehen zwischen der unterschiedlichen Waffen keine allzu komplizierten Unterschiede. Ohnehin wird jeder in Ninja Gaiden irgendwann eine Lieblingswaffe entdecken, die am besten zu seinem Stil passt und diese dann meistern.

Wie gesagt, war dieses Spiel für mich der Grund, eine Xbox zu kaufen, eine Entscheidung die ich nicht bereut habe. Nachdem ich Super Metroid durch hatte, habe ich mir Ninja Gaiden vorgeknöpft, danach 2 Wochen nichts anderes getan ausser zu zocken und am Ende vor allem eines realisiert: Ein Sieg ist um so glorreicher, je härter man ihn sich erkämpft. Allen die immernoch meinen, Ninja Gaiden sei zu schwer, rate ich, es noch einmal ernsthaft zu versuchen. Sterben ist hier keine Schande, sondern eine Chance aus seinen Fehlern zu lernen. Wer das realisiert, wird auch dafür belohnt. Wen der erste Boss, Murai, fertigmacht, dem sei gesagt, dass er gemeinerweise etwas aus dem Rahmen fällt und das Spiel danach zunächst wieder ein gemäßigtes Niveau annimmt. Eine gute Gelegenheit Ninja Gaiden erstmalig zu entdecken bietet der demnächst erscheinende Director’s Cut Ninja Gaiden Black, ein Bundle das das Originalspiel in überarbeiteter Fassung inklusive der 3 hervorragenden Hurricane Packs, zusätzlichem Content und einem neuen, leichteren Schwierigkeitsgrad kombiniert. In Deutschland erscheint Black gerüchteweise im Oktober, Ich hole mir am 20. September die Importversion.

Wer von Ninja Gaiden noch nie gehört hat, sollte sich auf jeden Fall den E3-Trailer zu Ninja Gaiden Black reinziehen, denn ein Text kann nur schlecht die unglaubliche Dynamik des Spiels vermitteln. Dazu empfehle ich ausserdem extrem geile Interview mit Itagaki auf 1up, hier ein Auszug:

1UP: Sounds tough. It’ll be fun to give that one a shot. Is the other new difficulty setting Easy Mode? TI: No, that’s not quite right. The lowest difficulty will be called Ninja Dog. While it is a mode intended for casual gamers, it is not Easy Mode. Not being able to beat the game on Normal means that you are a failure as a Ninja, but not that you are a failure as a gamer, right? Ninja Dog is for those players. 1UP: How does that affect your ranking at the end of each stage? Can you get a Master Ninja ranking in Ninja Dog mode? TI: [laughs] That’s nonsense. Impossible. How could a dog become a Master Ninja? 1UP: You know, when we reviewed the game, we warned people “This is hard,” but everyone on message boards scoffed. But when everyone finally got the game the reaction was “OMG.” Did you guys think “Well maybe the average gamer isn’t as good as we thought, so let’s make it easy on them?” TI: That’s right. In other words, there are some people who want to beat the game, even if it means being reduced to the level of a dog; people who are not afraid to shame themselves to accomplish their goals. Sometimes in life, that type of style is necessary. Anyone who can think like that can still be a real man. The Ninja Dog difficulty setting is for men like that. So don’t give up too easily! Wer sich immernoch nicht traut, kann sich dank des Ninja Gaiden Tribute Videos in 8 Minuten und 86MB das ganze Spiel in einer sehr sehenswerten Kurzzusammenfassung anschauen.